Klein, aber FEIN

Eigentlich war jeder von uns schon mal auf der Weser und doch hinterlässt jede Wanderfahrt ihre eigenen Spuren im Gedächtnis. Die Mai-Wanderfahrt 2019 hat sich im Rückblick als klein aber fein erwiesen. Klein, weil wir in diesem Jahr nur einen Vierer, die Christa, dabei hatten. Bei sieben Ruderern, alles altbewährte Masters, konnten wir deshalb den Landdienst doppelt besetzen, was für die jeweils Betroffenen hilfreich und kurzweiliger war. Auch hatte sich die Frage, in welches Boot wir bei der Ablösung oder am nächsten Tag eingeteilt würden, überraschend schnell geklärt.

Doch von Anfang an: Am frühen Nachmittag des Himmelfahrtstages wurden wir von Dieter Gocke, Ebos Bruder und dessen Sohn, dem aktuellen Vorsitzenden der RG Kassel, freundschaftlich empfangen, um kurz darauf in Wilhelmshöhe nicht nur die spektakulären Wasserspiele, sondern auch die großzügig angelegten Parkanlagen auf uns wirken zu lassen.

Das anschließende, angeblich Zeit sparende Online-Einchecken im Hotel stellte unsere Geduld auf eine unnötige Probe, denn letztlich geht es dabei vor allem um Personaleinsparung zu Lasten des Kunden. Vor allem wäre die für alle unerklärliche Doppelbuchung unserer Zimmer mit umständlicher Stornierung im herkömmlichen Verfahren nicht entstanden. Versöhnt wurden wir beim Abendessen im Convento in (kirchen-)historischem Ambiente und bei mehreren (!) Absackern, zunächst auf dem Rondell und danach im J W D (Noch Fragen?  bitte selbst vor Ort klären – es lohnt sich)

Beginn der Wanderfahrt am Freitag-Morgen entspannt „nach dem Aufstehen“ und Entdeckung der   verschiedenen Möglichkeiten, Höhenunterschiede zu überwinden: zunächst durch Umtragen, dann zwei Mal Selbstbedienung mit Technik, bei der wirklich nichts falsch zu machen war und zuletzt eine Bootsschleppe. An unserem Tagesziel, dem Mündener Ruderverein, hätte uns nach  der Vorabsprache ein einheimischer Ruderkamerad erwarten sollen; stattdessen befreite uns nach einigem Warten ein rein zufällig vorbeikommender Mündener Ruderer aus dem umzäunten  Bootsgelände. Wie schon beim Hotel in Kassel gilt: Die beste Planung nützt nichts ohne ein Stück vom Glück des  (T/t)üchtigen Wanderruderwarts).

Das etwas außerhalb von Hannoversch Münden im Dorf Volkmarshausen idyllisch und in absoluter Ruhe gelegene Hotel erwies sich als wahrer Glücksfall, wobei ich die Sitzgruppe hinter dem Haus an einem kleinen Bach, die zu einer „rezeptfreie Schlaftablette“ aus dem Kühlschrank förmlich einlud, besonders erwähnen möchte. Über Hannoversch Münden, eine wirkliche Fachwerkstadt im Gegensatz zu Mosbach,  müsste man entweder viel (Weserstein, historischer Braukeller, Sterbehaus Dr. Eisenbart, etc., etc.,) schreiben oder einfach auf andere Informationsmöglichkeiten verweisen.

Samstag:  Zunächst mit ein paar Ruderschlägen zur letzten, nun „richtigen“ Fulda-Schleuse (mit Schleusenwärter), bevor wir, am Weserstein vorbei (Wo Fulda sich und Werra küssen…) richtig Fahrt aufnehmen konnten. Nun begann reinstes Genussrudern bei mäßig starker Strömung, ohne oder nur schwach ausgeprägten Buhnen, keinem Schiffsverkehr und strahlender Sonne. Es lief so gut, dass der Landdienst und unsere traditionelle Fahrradeskorte (Marion und Wolfgang) bisweilen Mühe hatten, mit dem Boot Schritt zu halten. Die Mittagspause in Bursfelde bot Gelegenheit zu zweierlei Einkehr, zunächst in der romanischen Klosterkirche und anschließend im Cafe der benachbarten Klostermühle. Bei diesen optimalen Bedingungen ließ es die Bootsbsatzung anschließend etwas ruhiger angehen und gönnte sich zwischendurch eine längere Pause an Land, bevor sie am späteren Nachmittag in Bad Karlshafen, dem letzten Höhepunkt des Tages ankam. Zuvor liefen sich schon Marion und der Landdienst vor dem Biergarten des Gasthauses zum Dampfschiff „rein zufällig“ über den Weg, während Wolfgang einen Zweitbesuch bei einer Lamborghini-Vertretung vor den Toren von Hann. Münden vorgezogen hatte. Für die Einfahrt in den dortigen Hafen und für einen Liegeplatz für das Boot über Nacht hatte sich Werner natürlich rechtzeitig angemeldet und es klappte im weiteren Verlauf auch alles prima. Nur wussten wir nicht, dass die Schleuse erst drei Wochen zuvor, am 11.Mai, feierlich eingeweiht worden war und dass die Schleusenkammer gerade mal 12 Meter lang ist. (Wir haben die Christa ohne Blessuren an Bug oder Steuer nach Hause gebracht). Die Einfahrt unseres Bootes in die Schleuse und in die Marina war an diesem sonnigen Samstag-Nachmittag für die vielen Ausflügler, die auf der Straßenbrücke über der Schleuse standen und fotografierten,  d i e  Attraktion.   Und das Schönste: Diese kommunale Schleuse war für uns gebührenfrei!

Sonntag: Noch einmal Start in Volkmarshausen, diesmal mit Bootsanhänger, nach Karlshafen  und dank des freundlichen Schleusenwärters pünktliche Ausfahrt aus der Schleuse . Bei wiederum optimalen Bedingungen auf dem Wasser und „von oben“, vorbei am  stillgelegten Kernkraftwerk Würgassen und am Dreiländereck bei Beverungen, dem nördlichsten Punkt von Hessen, erreichten wir Höxter, unser Tages- und Fahrtenziel, erneut eher, als von Werner eingeplant. Der Rest ist schnell erzählt. Nach einer Mittagspause im Eulenhof, einem Ausflugslokal an der Weser, wo Werner noch einmal seine bewundernswerte Kunst im Rückwärtsfahren mit Hänger demonstrierte und das abschließende Gruppenfoto entstand, ging es „ab nach Kassel“, wo Ebo seine Renate wieder in die Arme schließen  konnte und unserN Rolf in eine spannende Rückreise mit der Bahn entlassen wurde.

 Zusammengefasst können alle Teilnehmer dankbar auf eine echte Werbeveranstaltung fürs Wanderrudern zurückblicken. Deshalb zur Abwechslung auch einmal unserem lieben Wanderruderwart Werner ein dreifach kräftiges Neptun Ahoi.

Autor: Dr. Rolf Heydlauf

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