Wanderruderfahrt von Bamberg bis (fast) nach Kitzingen

Von Bier- franken nach Wein- franken      25. bis 28. Mai 2017

Dass Bamberg Weltkulturerbe ist, weiß „man“, auch wenn es aus Neckarelzer oder Ettlinger Sicht, gar vom Thuner See aus gesehen doch etwas abseits liegt. Auch von Schlenkerla und Braunbier haben wir schon gehört, dass aber n e u n Brauereien in dieser Stadt für das leibliche Wohl von Einwohnern, Studenten und Touristen sorgen, war uns neu. Der Bedarf dafür zeigte sich gleich am ersten Abend bei einem kurzen Abstecher in das heiter – beschwingte Getümmel in der Altstadt.

Doch der Reihe nach: Am Mittag des Himmelfahrtstages trafen sich die üblichen Verdächtigen (s. o.)  bei der Rudergesellschaft Bamberg, um auf der Regnitz – nach der Ruhr vor zwei Jahren – erneut Neuwasser zu erkunden.  Dass dabei ein Boot wegen allzu starker Strömung kurzzeitig an einer Kiesbank strandete, lag zwar nicht daran, dass wir mit einem Backbordskull zu viel und einem Steuerbordskull zu wenig angereist waren, denn insoweit haben uns die Bamberger Ruderkame-raden für die ersten zwei Tage mit einem passenden Satz ausgeholfen.  D A N K E
Doch folgenlos kann es nicht gewesen sein, dass wir doch tatsächlich ohne den traditionellen „Ableger“ mit Opferschluck für Neptun gestartet sind. Der Tag klang, nach Abendessen im Klosterhof unter freiem Himmel, aus mit einem Stadtrundgang über Geister, Sagen und Legenden („si non e vero e bon trovato“ – Wenn es schon nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden)

Freitag: Das Bootshaus der Bamberger Rudergesellschaft liegt idyllisch am untersten Teil der ca. 14 Km ruderbaren Regnitz, kurz, bevor sie an einem Wehr endet. Bei der Einfahrt in den wegen starker Strömung diffizil zu steuernden Abzweig in den historischen, noch betriebsbereiten Ludwig – Main – Donau – Kanal half uns zum Glück ein Ruderkamerad aus Bamberg, bevor es durch die pittoreske Altstadt zur großen Wasserstraße Main ging.

Hier begannen dann „die Mühen der Ebene“. Der Main ist deutlich breiter als der Neckar und hat, gefühlt, noch weniger Strömung. Auch soll es, einem bekannten Wanderruderer zufolge, dauernd Gegenwind haben. Den hätten wir in diesen drei Tagen gut vertragen, denn die für den Frankenwein zuständige Sonne hatte uns voll im Griff (oder besser: im Genick).  Und dann gibt es  auch hier Schleusen.  Sie sind, wie ich vor Ort erfragt habe, 300 m lang und nicht nur 110m wie am Neckar. Für Ruderboote allein wäre daher ein Schleusenvorgang ohne Kombination mit der Großschifffahrt wesentlich aufwändiger. Allerdings, und da wurden mir beim hören die Ohren rot, hatte der Schleusenwärter die Ruderer generell sehr gelobt. Wir seien immer schnell in der Schleuse, suchten sofort einen festen Platz, gäben auf Lautsprecheranweisungen deutlich sichtbare Verständigungs-zeichen und seien auch schnell wieder aus der Schleuse draußen. Die anderen Sportboote dagegen...... Ich habe nach so viel Lob nicht weiter gefragt, warum es, mit einer Ausnahme, vor allen Schleusen trotzdem immer lange Wartezeiten gab, die eine Tagesplanung sehr erschwert haben. -  Mittagsrast nicht wie vorgesehen, am Yachthafen von Eltmann, da dieser von Landseite unzugänglich eingezäunt war. Aber wir hatten ja unseren Wolfgang ( den mit dem Rad ), der ein gutes Stück stromab  eine Stelle entdeckt hatte, wo man leidlich gut anlegen konnte und eine Imbissstation am Radwanderweg mit zahlreichen Liegestühlen (!) auf uns wartete.  Nach zwei weiteren Schleusen hatten schließlich wir das Tagesziel Hassfurt (35 Km) erreicht.

Anlegestelle ist dort ein „Wasserwanderstützpunkt“, klingt gut, ist aber nur ein Betonsteg für maximal zwei Kanus und wurde im „Wahrsager“ als schwierig bezeichnet „Richtige“ Boote müssen, Bug voraus, über eine steile Böschung nach oben gehievt werden. Allerdings hatten wir Unterstützung von hilfsbereiten Campern, die sich über die interessante Abwechslung freuten. Leider waren wir dann eine Stunde später als geplant in unserer voll ausgebuchten Unterkunft in Bamberg, wo man mit dem Abendessen schon auf uns wartete. Der anschließende Abstecher in die Altstadt  diente nach einem heißen Tag dem ersehnten Flüssigkeitsausgleich.

Samstag: Werner hatte aus gutem Grund auf einen zeitigen Aufbruch gedrängt, so dass wir an diesem Morgen richtig Strecke machen konnten. Vor uns lag zunächst nur eine Schleuse und eine Landschaft, die bis kurz vor Schweinfurt, wie schon am Vortag, etwas gleichförmig ist. Bei der Mittagsrast beim Schweinfurter Ruder-Club „Franken“ gab`s dann wieder alles, was Wander-ruderer brauchen: einen richtigen Bootssteg, Toiletten und schattige Sitzgelegenheiten. Da tat es keinen Abbruch, dass man uns in der Gaststätte neben dem Bootshaus nicht haben wollte.

Die Weiterfahrt am Nachmittag begann gleich mit einer ausgedehnten Warterei vor der unterhalb des Bootshauses liegenden Schleuse, zum Glück unter einer schattigen Straßenbrücke. Diskussionen kamen bei der nächsten Schleuse Garstedt auf über die richtige Verhaltensweise von kleinen Ruderbooten bei der Schleusenausfahrt, wenn, links und rechts liegend, je ein Großschiff scheinbar gleichzeitig in die Schleuse einfahren möchte. Wir haben diese Situation, die in keinem Lehrbuch behandelt wird, jeder Steuermann für sich, situationsgerecht gelöst. In Wipfeld, dem Tagesziel nach 39 Km, erwartete uns ein kleiner Yachthafen als Anlegeplatz. Zuvor wurden wir eine Zeit lang von einem ungewöhnlich rücksichtsvoll fahrenden Motorboot eskortiert - es war der Cousin von Marion, die uns aus Neckarelz ein Steuerbordskull mitgebracht hatte.. Abendessen und Übernachtung in Volkach, das sich als Etappenziel immer wieder lohnt, zumal es bei dieser Tour nirgends brannte. Während des Abendessens, bei dem es wieder allen geschmeckt hat, überraschten uns Heinz Walter (Big Heinz) und Mario Steinacher aus Thun  mit einer kurzen, aber sehr gehaltvollen Rede, in der sie die Ruderfreundschaft zwischen Neckarelz und Thun würdigten und dies mit zwei, nein, nicht Flaschen, sondern Kartons Spiezer Wein unterstrichen. Auch an dieser Stelle ganz herzlichen Dank. Würdiger Abschluss des Tages war ein überdachter Biergarten gerade gegenüber unserer Unterkunft, dessen Reiz sich keiner entziehen mochte.

Sonntag:  Der Tag begann gleich wieder mit einer Schleuse, die wir ausnahmsweise relativ schnell passieren konnten.  Und dann kam Volkach (jetzt wasserseitig)!. Der Main hat hier einen Bypass in Form eines Kanals bekommen, der 6 Km kürzer ist. Nach intensiver Orientierung folgten wir einer Menge von Kanus und Schlauchbooten zur Bootsschleuse, die es in sich hat. Ein Schleusenvorgang (unteres Schleusentor schließen, Schleusenkammer füllen, oberes Schleusentor öffnen, einfahren, oberes Schleusentor schließen, Schleusenkammer leeren, unteres Schleusentor öffnen, ausfahren ….)   dauert ca. 20 Minuten, wenn nicht zwischendurch der Vorgang durch eine falsche Hebelbetätigung unterbrochen wird. Bei drei Booten haben wir dann die ungefähre Wartezeit vor einer Großschleuse. Die Schleusenkammer ist so schmal, dass gerade ein Gig – Vierer hineinpasst – seitliches stabilisieren mit den Blättern ist nicht vorgesehen. Zumindest in einem Boot gab es danach Gesprächsstoff.

Der Rest ist schnell erzählt. Die gegenüber dem Main kürzere Strecke des Kanals bedingt ein größeres Gefälle und damit eine stärkere Strömung. Gerade, als man begann, sich nach einem schattigen Baum zu sehnen, unter dem man sich kurz  hätte strecken können, war der Kanurastplatz Sommerach, Ziel der Mittagspause, erreicht, wo Werner in einem weisen Ratsschluss unter allseitiger Zustimmung „Plan B“ aktivierte: Vespern, Boote verladen, heimfahren. Bevor wir aber uns von unseren Schweizer Freunden verabschiedet und unsere Fahrzeuge bestiegen haben, gab es noch die würdige Taufe von Hans dem Zweiten von Regnitz zu Main.Wir wünschen ihm allzeit viel Freude an diesem herrlichen Sport.

Wie immer schließt dieser Bericht mit einem herzlichen Dank an den Wanderruderwart. Immer, wenn man glaubt, es läuft doch alles wie von selbst, dann war es eine Menge von Vorarbeit, die den Schmierstoff für das Getriebe gebildet hat. Deswegen sagen wir ganz eigennützig:

Bis zum neggschde mol

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