Meine erste Wanderruderfahrt

Von Hans Klewno.

Die erfahrenen Wanderruderer hatten mich aufgeklärt, dass eine Wanderfahrt mindestens 30 km lang sein muss. Deshalb mussten wir vom Bootshaus in Neckarelz noch über Eberbach hinaus bis nach Pleutersbach rudern, dann wieder zurück zum Bootshaus des Ruderklubs Eberbach.

Auf dem Weg dahin waren die Schleusen in Guttenbach und in Rockenau zu passieren. Pause mit Verpflegung war in Zwingenberg beim Yachtclub vorgesehen.

Mit diesen Informationen und mit den auf dreihundert Ruderkilometern erworbenen Fertigkeiten ging es am Karfreitag um 9.30 h los.  Das Wetter sollte werden wie es im April immer ist: ungewiss. Ich entschied mich also für das neue Trikot in Vereinsfarben, das etwas wärmere Shirt, eine leichte Windjacke, eine dichte Regenjacke und eine lange Hose.  Wie sich später zeigte zwang uns der April zu allen Kleidungskombinationen in wechselnder Reihenfolge, bis auf den regendichten Anorak.

Mit ‚Nothburga‘ ,besetzt mit Obmann Hanns, Stm Werner, 4 Ruth, 3 Kristina und 2 Barbara ging es pünktlich los. Gefolgt von ‚Christa‘, besetzt mit Obmann Hugo, Stf Helga, 4 Hanno aus Bad Wimpfen, 3 ich und 2 Lucina.

Bis zum Campingplatz Binau kannte ich die Strecke, im Binauer Bogen begann für mich Neuwasser. Und mit dem Neuwasser erlebte ich auch die Landschaft neu, eben vom Wasser aus mit Muskelkraft.  Alles spiegelte sich im glatten Wasser des Flusses; Berge, Wolken, Wälder, Burgen wie die Minneburg und später Dörfer wie Neckargerach.

Unser Ruderwart hatte diese Wanderfahrt auch empfohlen um ‚Sitzfleisch‘ an den Schleusen zu trainieren. Manchmal muss man warten, lange warten bis die Berufsschifffahrt die Schleusenkammer passiert hat. Aber jetzt ging alles schnell. Ohne viel Wartezeit fuhren ‚Nothburga‘ und ‚Christa‘ in die Schleusenkammer der Schleuse Guttenbach ein. Die Manöver in der Schleuse waren mir bereits durch eine frühere Durchfahrt  der Schleuse in Neckarzimmern bekannt. Also Ruder lang und mit dem Bootshaken das Boot sichern. Wie bedankten uns beim Schleusenwärter für die Schleusung mit einem kräftigen Neptun AHOI, Neptun AHOI, Neptun AHOI.

In Zwingenberg legten wir an der orographisch linken Seite an. Der Blick von hier, so nah am Wasser, auf Zwingenberg und auf die Burg war beeindruckend. Der Landdienst hatte den Tisch gedeckt und die Proviantpakete bereit gelegt. Der Kaffee war heiß aus dieser großen Kaffeekanne mit dem bewährten Drückermechanismus.

Nach der Pause hatte sich einiges verändert. In der ‚Christa‘ verließ Lucina das Boot und wurde durch Ursel ersetzt, ich wechselte mit Helga die Plätze. In der ‚Notburga‘ steuerte jetzt Ruth, Werner auf 2. Neu hinzugekommen Wolfgang auf Schlag und Werner unser Wanderruderwart auf 3. Barbara und Kristina hatten das Boot verlassen. So ist das immer auf einer Wanderfahrt, hatte ich jetzt gelernt. Wir passierten schnell die kleinen Dörfer bis zur Schleuse Rockenau, in die wir auch ohne Wartezeit einfahren konnten. Und jetzt an Eberbach vorbei mit  der beschaulichen Kulisse, noch ein Stück weiter und dann zurück zum Bootshaus des Eberbacher Ruderklubs. 30 KM waren geschafft.

Aber die Wanderfahrt war noch nicht beendet. Die Boote mussten für den Rücktransport verladen werden. Unser Wanderwart fuhr den langen Bootsanhänger ohne Korrektur, ohne anzuhalten in einem Zug durch die engen abschüssigen Kurven am Bootshaus fast direkt bis an den Steg.

Boote Abriggern, Skools und Bootshaken in den offenen Laderaum, Boote aufladen, Ladung sichern und rote Fahne anhängen und wieder die engen Kurven hoch. Den Verkehr regeln, damit das Langfahrzeug ohne Bremsung auf die Zufahrtsstraße kommt. Erledigt.

Mit dem Auto fuhr ich entlang des Neckars zurück nach Neckarelz, immer wieder den Blick auf den Fluss (ich war Beifahrer). Dieser schöne, mythische Fluss mit seinen bewaldeten Hängen. Meine erste Wanderfahrt war beendet, und ich wurde wieder in Einem bestätigt:

Nur in der Gemeinschaft mit Menschen kann man Ruhe, Zufriedenheit und Gelassenheit erlangen. Rudern hilft! Körper und Geist.

 

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