Eberhard Gocke ist schon einmal um die Welt gerudert

Der Hobbysportler vom Ruderclub Neckarelz hat nicht nur bei Olympia große Erfolge eingefahren.

Von Matthias Miltz

Neckarelz. Das Rudern ist seine große Passion. Seit seiner Kindheit legt er sich schon in die Riemen. Eberhard „Ebo“ Gocke hat dabei so ziemlich alles gewonnen, was ein Hobbysportler erreichen kann. Am 7. Februar feierte Gocke seinen 80. Geburtstag. 80 Lebensjahre, davon 47 Jahre im Verein – eine sehr lange Zeit, in der er viele Geschichten erlebt hat. Den 1940 in Kassel Geborenen zog es berufsbedingt 1972 nach Neckarelz. Seitdem ist er auch Mitglied des Ruderclubs „Neptun“ Neckarelz.

„Als ich neu in Neckarelz war, wollte ich mir den Ruderverein eigentlich nur ansehen. Auf einmal stand ein Mann vor mir und fragte, ob ich ihm kurz etwas helfen könnte. Zwei Stunden später war ich immer noch dort und half ihm bei Arbeiten im Bootshaus. Schon war ich dabei“, erinnert sich Eberhard Gocke an seine Anfangszeit im hiesigen Ruderclub.

Viele und große Erfolge errang er auf dem Wasser: An insgesamt 32 Masters-Regatten nahm er teil. Ganze 15-mal konnte er dabei die Rennen in seiner Altersklasse gewinnen. Mit Eva Jaruska saß er bis 2005 gemeinsam im Boot, und die beiden waren ein starkes Team. „Eva und ich waren in unseren Altersklassen bis 2005 so gut wie ungeschlagen in der Welt. Nur zweimal, 1994 in Groningen und 2003 in Vichy, wurden wir aus unterschiedlichen Gründen nicht Erster in unserer Klasse. Sonst haben wir von 1993 bis 2005 immer gewonnen, wenn wir zusammen gestartet sind“, schildert Gocke die eindrucksvolle Bilanz. Über 100 Medaillen hängen in seinem Haus. Er wisse gar nicht mehr, woher jede einzelne stammt. Aber die, die er von den Master-Games mitgebracht hat, an die kann er sich noch genau erinnern – und zwar an alle.

Sein wohl größter Erfolg: Gocke gewann 2005 in Edmonton Olympia-Gold mit Eva Jaruska.

Seine wichtigste Medaille stammt gleichzeitig auch von seinem wohl größten Erfolg. 2005 in Edmonton (Kanada) gewannen er und Eva Jaruska Olympia-Gold der Altersklasse über 65 Jahre. Die Geschichte zu diesem Erfolg ist etwas ganz Besonderes, vor allem, wenn sie von Gocke selbst erzählt wird. „Wir waren schon ein paar Tage vor dem Rennen dort, weil wir uns ein Boot leihen mussten und vor der Regatta noch etwas mit dem fremden Boot trainieren wollten. Es lief auch gar nicht schlecht, aber am Tag der Regatta kamen wir an den Startbahnen an und unser Boot war weg. Das muss man sich mal vorstellen, wir hatten kurz vor dem Rennen kein Boot mehr“, schmunzelt Gocke heute.

„Also mussten wir uns wieder ein anderes Boot holen und dachten eigentlich, dass wir so gar keine Chance haben können. Am Anfang ruderten wir eher ein bisschen vorsichtig, fanden aber doch recht schnell unseren Rhythmus wieder und lagen nicht zu weit zurück. Das war für uns der Anlass, unseren Endspurt früher anzusetzen und unsere Gegner damit zu überraschen. Das brachte uns dann den Sieg ein“, erzählt Gocke stolz.

Mit 80 Jahren sitzt Eberhard Gocke noch immer regelmäßig im Boot. Er müsse auch in seinem Alter etwas tun, meint er. „Mein Körper ist durch die jahrelange Belastung der Ruder-Wettkämpfe einfach daran gewöhnt. Ich muss einfach rudern, das tut mir gut und ich bin froh, wenn ich mich körperlich betätigen kann“, erklärt er. Beim Ruderclub Neptun Neckar führt er die Liste mit den meisten jemals gefahrenen Kilometern deutlich an. Vom deutschen Ruderverband bekam Eberhard Gocke für über 40.000 im Boot gefahrene Kilometer sogar den Äquator-Preis.

Zum Rudern ist er über seinen Vater und zwei seiner Onkel gekommen, die alle drei begeisterte Ruderer waren. Hierzu schildert Eberhard Gocke: „Zum ersten Mal saß ich mit zehn Jahren in einem Ruderboot. Eigentlich durfte man damals erst ab 14 Jahren rudern, weil es vorher zu gefährlich war. Aber ich hatte Glück und der Sohn der Vorsitzenden des Vereins war genau so alt wie ich und wollte ebenfalls unbedingt mit dem Rudern anfangen. Mit ihm habe ich dann im Alter von zwölf Jahren regelmäßig im Boot gesessen.“

Auch mit 80 Jahren trainiert Eberhard „Ebo“ Gocke noch regelmäßig auf seinem Ruder-Ergometer. Mit zehn Jahren saß er zum ersten Mal in einem Ruderboot. Danach ließ ihn der Sport nicht mehr los, seit 47 Jahren ist er im RC „Neptun“ Neckarelz aktiv. Foto: Matthias Miltz

Seit sieben Jahrzehnten ist Eberhard Gocke dem Rudersport jetzt treu geblieben, und der leidenschaftliche Ruderer hofft, dass es noch einige Jahre mehr werden. „Solange es mein Körper noch mitmacht, werde ich definitiv weiter ins Boot steigen.“

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